Wissenschaftliche Arbeit: Vergleich Barfußschuh und Konventioneller Schuh

Im Zuge meines Humanbiologie-Studiums habe ich eine wissenschaftliche Arbeit geschrieben, mit dem folgenden Titel:


Die gesundheitlichen Auswirkungen vom Laufen in Minimalschuhen bzw. Barfußschuhen im Vergleich mit konventionellen Schuhen beim Erwachsenen in westlicher Kultur.


Natürlich ist das Ganze etwas wissenschaftlicher geschrieben, aber durchaus lesbar - ich möchte es euch nicht vorenthalten! Die Zusammenfassung findet ihr gleich am Anfang im Abstract.


Wer möchte, kann sich die Arbeit auch hier direkt herunterladen:

Die gesundheitlichen Auswirkungen vom La
.
Download • 196KB

Abstract


Dieser Artikel befasst sich mit den Vorteilen des Barfußlaufens im Vergleich zum Laufen in herkömmlichen (=gedämpften) Schuhen. Die Geschichte des Schuhs wird grob erläutert, sowie der „Boom“ des gedämpften Laufschuhs mit Sprengung. Relativ zeitgleich hat sich eine Gegenrichtung gebildet, welche immer weiter weg vom Schuh und hin zum ursprünglichen Zustand – barfuß – tendiert.

Im Vergleich von verschiedenen Studien konnte herausgefunden werden, dass das Gehen und Laufen in Minimalschuhen oder ganz ohne Schuhe unserem Körper gerechter wird, sowie positive Auswirkungen auf die Fußstellung und den Körperbau hat. Im Besonderen sind hierbei die Gelenke zu nennen, vor allem das Knie- und Hüftgelenk.

Weiters ist die Propriozeption bei herkömmlichen Schuhen kaum gegeben, während sie barfuß unumgänglich und wichtig ist. Um Verletzungen vorzubeugen, ist es von Vorteil, so lange wie möglich barfuß zu gehen bzw. auf Minimalschuhe umzusteigen.

Vor allem bei Kindern bietet dies die Möglichkeit zum gesunden Körperwachstum.


(Propriozeption beschreibt, dass der Fuß in der Lage ist, Informationen über Bodenbeschaffenheit und Temperatur an das Hirn weiterzugeben.)


Einleitung


Vorgeschichte


Wie jedes andere Tier kommt der Mensch ohne jegliche Kleidung auf die Welt – so auch ohne Schuhe. In der Zeit der frühen Hominiden blieb das auch so. Durch das permanente Barfußgehen entwickelte sich eine feste Hornhaut und ein schützendes Polster unter den Füßen.

Kam es doch einmal zu einer Wunde am Fuß, so konnte dies zwischen Leben und Tod entscheiden.

Später in der Geschichte fand man daher eine Lösung für dieses Problem: eine zusätzliche Schicht an den Füßen. Durch Sandalen und grobe Schuhe aus Bast und/oder dickem Leder kam es kaum noch zu verhängnisvollen Fußverletzungen.

Das Erfolgsmodell blieb über die Jahrtausende hinweg bestehen. Ein dünner, fester Schutz unter den Sohlen erwies sich als großer Vorteil. Bis der Schuh plötzlich als Instrument der Mode verkannt wurde und Absätze sowie spitz zulaufende Zehen als schick galten – allerdings nur in den reichen Schichten üblich waren. (Payne, 2016)


Es geschah erst in den 1970er Jahren, dass eine Schuhfirma namens Nike die Idee hatte, auch den bequemen Laufschuh noch bequemer zu machen, und etwas dickere, weichere Sohlen zu verwenden.

Nach einigen Computerberechnungen wurde es als Idealzustand angenommen, über die Ferse abzurollen. Um dies zu erleichtern, wurde ein Extrapolster unter die Ferse gepackt – die sogenannte Sprengung.


Es sei dahingestellt wie sinnvoll es ist, einen Computer menschliche Bewegungsabläufe berechnen zu lassen, und das Ergebnis dann auch noch für bare Münze zu nehmen. Fakt ist, dass sich langsam aber sicher die Anzahl an Läuferverletzungen erhöhte. Dazu zählen etwa das sogenannte „Läuferknie“ aber vor allem auch Sehnenschäden durch Umknöcheln und Überbelastung.


Die Menschen knöcheln beim Laufen nach innen um – eine Lösung musste gefunden werden. Zum Glück hatte Nike eine Idee: Eine Pronationsstütze, eingebaut in den Laufschuh verhindert, dass der Fuß einknicken kann. Gesagt, getan, die Verletzungen stiegen weiterhin.

Möglicherweise ist die Dämpfung nicht genug – also wurde an superspeziellen Dämpfmaterialien geforscht, um den Aufprall so gut wie möglich abzufedern. Das ging bis hin zu kleinen Mikrochips die unter der Ferse verbaut waren um den Aufprall zu messen und genau berechnend gegenzudämpfen. Die Verletzungen stiegen weiterhin. (McDougall, 2009)


In diesem Teufelskreis vergaßen die Laufschuhhersteller vor allem eines: den Menschen und seine Natur.


Zuerst mag es sinnvoll und angenehm klingen, auf weichen Sohlen zu laufen. Aber wer schon einmal versucht hat barfuß im Sand zu laufen weiß, dass es nicht nur enorm anstrengend ist, sondern auch schwer zu kontrollieren, in welche Richtung die Füße den Sand wegdrücken.


Der Fuß braucht einen festen Untergrund, um gerade aufzukommen, alle Muskeln ins Spiel zu bringen und das Fußgewölbe spannen zu können. Dadurch entsteht eine Vorspannung im Fuß, die das Bein beim nächsten Schritt vorschnellen lässt.

Im Sand, sowie in butterweichen Laufschuhen, geht die gesamte Vorspannung verloren bei dem Versuch des Fußes, festen Boden zu finden. Reine Muskelkraft ist nötig, um das Bein nach vorne zu bringen. (Franklin et al, 2015)


Der Mensch tritt also unbewusst härter auf, je weicher der Untergrund ist. Das liegt daran, dass er versucht, festen Boden unter den Füßen zu bekommen. Man sollte meinen, dass die dicke weiche Sohle zumindest den dadurch verursachten Aufprall abdämpft. Leider ist das Gegenteil der Fall. Zwar wird der Schmerz, der bei einer solchen Aufprallwucht eigentlich entstehen würde, verhindert, die Schockwellen gehen aber dennoch durch den gesamten Körper und seine Gelenke.

Der Läufer merkt es nur nicht mehr, weshalb er seinen Laufstil nicht anpasst und weiterhin Schockwellen durch seinen Körper schickt. Gelenksreizungen wie das Läuferknie oder Hüftprobleme sind die Folge. Und die Reaktion des Menschen: Noch weichere Laufschuhe holen, um den Aufprall noch besser abdämpfen zu können.

Ein Teufelskreis entsteht, der oft darin endet, dass Menschen aufhören zu laufen, weil sie glauben ihr Körper sei zu alt oder nicht mehr fit genug zum Laufen.


Indigene Völker


Sieht man sich in Kulturen um, die von dem Modeschuh und modernem Laufschuh noch nichts mitbekommen haben, so fällt einem vor allem eines auf: gesunde Füße und gesunde Körper.

In Mexiko gibt es die sogenannten Tarahumara-Indianer. Diese halten es wie unsere Vorfahren und sind nur barfuß oder mit minimalistischen Sandalen unterwegs. Diese schneiden sie selbst aus alten Autoreifen aus und binden sie mit Lederriemen am Fuß fest. Keine Sprengung und keine Dämpfung also.

Diese Indianer sind ein uraltes Läufervolk – sie legen mehrere hundert Kilometer pro Woche zurück, und veranstalten zum Spaß 100km-Bergläufe. Schon die kleinen Kinder lernen spielerisch schnell und effizient zu laufen.

Was es bei den Tarahumaraindianern nicht gibt? Plattfüße, Senk-, Knick-, Spreizfüße, Überpronation, -suponation, das Läuferknie, Hüftprobleme, Fersensporn ect.. vor allem aber gibt es dort eines nicht: moderne Schuhe. (Liebermann, Davis & Nigg, 2014) (McDougall, 2009)


Propriozeption


Etwa ein Viertel der Knochen eines Menschen liegen in den Füßen, das sind das sieben Fußwurzelknochen, fünf Mittelfußknochen und 14 Zehenknochen. Diese Knochen sind über 33 Gelenke miteinander verbunden, und werden von 20 Muskeln und 114 Bändern stabilisiert und in Bewegung gehalten.

Ähnliche Zahlen findet man in den Händen.

Wie die Hände sind die menschlichen Füße mit sehr vielen Sinneszellen ausgestattet – der ursprüngliche Mensch musste den Boden fühlen können, und sich da auf seine Füße verlassen. Dieses Fühlen der Füße nennt man Propriozeption und es ist dafür verantwortlich, dass der Mensch weiß wo sein Körper sich im Raum befindet, und wie er sich gerade bewegt. (Latorre-Román et al, 2016)


In normalen Schuhen wird die Wahrnehmung der Füße fast ausgeschalten. Sie spüren immer nur den selben Grund – die Innensohle der Chucks, Boots oder welche Schuhe der Mensch eben trägt. Ausnahmslos eben, weich und gleichmäßig. In den meisten Fällen ist sie Sohle so stabil, dass man keine Unebenheiten oder Steine hindurchspürt.

Dadurch betäubt der Mensch seine Füße mit der Zeit. Setzt